Jaguar: Aus dem Trend geboren

In den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts wollen die Menschen die tiefe wirtschaftliche Depression vergessen: Sie suchen das verrückt-verruchte Amüsement und träumen von fernen Ländern und der Unberührtheit der Wildnis. Alles Exotische hat Hochkonjunktur.

Auf dieser Woge des paradoxen Lebensgefühls der "Roaring Twenties" hatte der Schweizer Uhrenfabrikant Peter Haas eine der besten Ideen seines Lebens. Als Eigentümer der alteingesessenen Uhrenfabrik Sindaco im Tessiner Uhrenort Moralto, brach er mit der eitlen Tradition, seine Produkte mit dem eigenen Familiennamen zu benennen. Er brachte die ersten Uhren unter dem Markennamen Jaguar auf den Markt und schuf damit eine der ersten Trendmarken im Uhrenmarkt. Dass er damit genau richtig lag, zeigten die schnellen Erfolge der neuen Marke.

Trotz oder gerade wegen der europaweiten Depression in den zwanziger und dreißiger Jahren gewannen Jaguar-Uhren immer mehr Freunde. Dies war für Peter Haas ein untrüglicher Hinweis darauf, daß es Zeit wurde, Jaguar als Markennamen für Uhren zu schützen.

In den 50er Jahren kam der wirtschaftliche Wohlstand und mit ihm die kleinbürgerliche Spießigkeit. Für die exotische Unberechenbarkeit eines Jaguars blieb das komfortable und überschaubare Reservat von Uhrenliebhabern, die an qualitativ hochwertigen Spezialitäten interessiert waren.

Wie es sich für eine Schweizer Traditionsmarke gehört, ging die Marke Jaguar 1982 nicht mit ihrem Erfinder Haas in den wohlverdienten Ruhestand, sondern blieb weiter im heimatlichen Markt.